sabine bomeier
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Ohne Worte so viel sagen - Der große Pantomime Marcel Marceau geht noch einmal auf Tournee

Die Bühne ist schwarz, darauf ein ganz in Weiß gekleideter Mann, mit ebenfalls weiß geschminktem Gesicht. Es ist ganz still, die Musik setzt ein. Der Mann beginnt eine Geschichte zu erzählen, von Vögeln, die ihre Freiheit wollen, im Käfig nicht länger leben können. Es wird eine Geschichte ohne Worte, erzählt einzig  mit den Bewegungen der Hände. Aus ihnen werden Vögel, die aufgeschreckt in den Himmel flattern.

 

Was immer auch Marcel Marceau, der große französische Pantomime, mit seinem Körper, seiner Gestik und Mimik darstellt, er zieht die Zuschauer in seinen Bann. Noch einmal ist der 81-Jährige  auf Tournee gegangen. Stets spielt er vor ausverkauften Häusern. Steht er auf der Bühne, sieht man ihm die Jahre nicht an. Alterslos beherrscht er seinen Körper, mit dem er eine Sprache spricht, die keiner Worte bedarf.

 

Er erzählt von Bip, der traurig-komischen Figur, mit dem großen grauen, mit einer Blume geschmücktem Filzhut auf dem Kopf. Bip, der so vieles versucht, sogar einen Löwen zu bändigen, und doch immer wieder scheitert.  Bip rührt die Menschen, vielleicht auch weil Marceau mit dieser Figur zeigt, dass immer nur siegen auch nicht alles ist.

 

In einer anderen Szene beschreibt der Pantomime einen Tag vor Gericht. Da ist der arrogante Staatsanwalt, der eingeschüchterte Angeklagte und der etwas gelangweilte Richter. Jeder Charakter von Marceau bis ins letzte Detail nachgezeichnet.

 

Überhaupt scheint der weltbekannte Pantomime die Menschen ganz genau zu beobachten. Wie sonst könnte er alltägliche Begebenheiten so wiedergeben, dass jeder meint, das doch schon einmal genau so erlebt zu haben. In verschiedenen Szenen zeigt Marceau Angst und Hoffnung, Leben und Tod, Licht und Schatten. All das gehört in unseren Alltag und den will er darstellen.

 

Da ist das alte Paar auf der Parkbank. Sie hält eine Strickarbeit in den Händen, berichtet schnatternd ihrem Mann unentwegt den neuesten Klatsch. Er nickt nur ab und zu ergeben. Bei aller Komik, bleibt die Beschreibung der Menschen doch immer liebevoll.

 

Über zwei Stunden fesselt Marceau die Menschen mit seiner Kunst, entführt in eine andere Welt, hält aber zugleich dem Publikum einen Spiegel vor. Danach setzt frenetischer Beifall ein. Die Zuschauer wollen ihn nicht gehen lassen.

 

Während sein Vater Ende des zweiten Weltkrieges nach Auschwitz deportiert wurde und dort starb, kämpfte Marcel Marceau  in der Resistance, der französischen Widerstandsbewegung. Schon damals gründete er eine Theatergruppe und entdeckte die Pantomime als seine Form des künstlerischen Ausdrucks. Nach dem Krieg, von 1949 bis 1964 reiste er  mit eigenem Ensemble um die Welt. !978 gründete er mit Unterstützung Jacques Chiracs, dem damaligen Bürgermeister von Paris, eine internationale Schule für die Kunst der Pantomime.

 

Menschen aus über 20 Ländern lehren und lernen dort gemeinsam. Ähnlich dem Ballett erscheint auf der Bühne die Pantomime leicht, aber die Ausbildung ist hart. Tanz, Fechten, fernöstliche Stabkunst, Akrobatik, Gymnastik und Schauspiel wird unterrichtet.

 

Marcel Marceau will mit der Sprache einer Kunst, die jeder überall verstehen kann, die Menschen vereinen, ganz so wie es schon die Aufgabe des antiken griechischen Theaters war. Und zumindest für den Augenblick scheint ihm das auch zu gelingen.

 

Marcel Marceau starb 2007 in Cahors, Frankreich

 

Aus der Financial Times Deutschland 2004

© Sabine Bomeier

 

 

 

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