sabine bomeier
sabine bomeier

Hurenkultur oder die Hure in der Kultur

Grisélidis Réal, eine der wenigen  Sexarbeiterinnen, die sich auch als Künstlerin und Buchautorin etablieren konnte. Die Schweizerin starb im Alter von 76 Jahren in Genf. Sie gilt als Pionierin der Prostituierten-Bewegung.

 

Am 2. Juni feiern wir stets den internationalen Hurentag. Feiern  wir ihn? Wohl eher nicht, wahrscheinlich geht er unter in andren Nachrichten. Ohnehin reden und schreiben wir über Huren oder Sexarbeiterinnen, wie sie sich heute nennen. Egal, wie sie sich nennen oder genannt werden möchten, es wird über sie geredet, aber selten mit ihnen. Sie tauchen in der Kunst auf, werden gemalt oder es wird in Romanen ihr  Leben beschrieben. Sicher spannend, aber nur sehr selten betreten Sexarbeiterinnen selber die Bühne der Kultur. Selten gestalten sie selber das Bild, das in der Öffentlichkeit über sie und das Milieu in dem sie leben existiert. Gleiches gilt natürlich auch für Sexarbeiter.

Eine Ausnahme war  Grisélidis Réal. Die Sexarbeiterin, Künstlerin und Buchautorin aus der Schweiz, die im Alter von 76 Jahren in  Genf starb. Sie gilt als Pionierin der Prostituierten-Bewegung.

In Lausanne geboren, wuchs sie in Ägypten auf. Ihre Mutter kehrte nach dem Tod des Vaters mit den Kindern zurück in die Schweiz. Grisélidis Réal studierte an der Kunstgewerbeschule in Zürich, ging in den frühen Sechzigern nach Deutschland und arbeitete hier unter anderem als Sexarbeiterin, wahrscheinlich weil das ein Weg war, um an das nötige Geld zum Leben zu kommen. Sie dealte mit Marihuana und ging dafür sechs Monate in den Knast. Trotz ihrer Jugend hatte sie da also bereits reichlich Lebenserfahrung gesammelt. Später kam sie in Frankreich mit der Hurenbewegung in Kontakt und wurde eine ihrer bedeutendsten Aktivistinnen.

Sie schrieb einen autobiografischen Roman. "Le noir est une Couleur“, so der Originaltitel ihres Romans, der erstmals 1974 erschien und  in Deutschland unter dem Titel „Schwarz ist eine Farbe“ veröffentlicht. Das Buch fand große Beachtung und wurde zweimal neu aufgelegt. Sie schreibt über die Armut der Sexarbeiterinnen, über körperliche Gewalt ebenso wie über psychische Verletzungen, Abscheu und Ekel vor den Freiern, eben über den ganz normalen Alltag einer Sexarbeiterin. Es folgten weitere Bücher. Dennoch arbeitete sie weiter als Prostituierte, gab das erst 66 Jahren auf.

Auch nach ihrem Tode sorgte sie noch einmal für Wirbel um ihre Person. Die Genfer Stadtregierung entschied, die sterblichen Überreste auf den " Cimetière des Rois" zu überführen, keine 30 Meter von Reformator Jean Calvin entfernt. Auch andere Persönlichkeiten der Schweiz haben dort ihre letzte Ruhe gefunden. Aber eine Prostituierte?

Ja, auch sie fand dort schließlich ihre letzte Ruhe. Vielleicht legen ihr am Internationalen Hurentag nicht nur Kolleginnen Blumen auf das Grab. Sie hat so viel für sie getan.
 

© Sabine Bomeier

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