sabine bomeier
sabine bomeier

es ist alles schon gesagt worden, aber...

Es ist schon alles gesagt worden, aber…

Hin und wieder treibe ich mich auf Veranstaltungen herum, die einen ziemlich eindeutig politischen Charakter haben: Mitgliederversammlungen, Diskussionsrunden oder Grundsatzdebatten. Letztere sind  in der Regel Bestandteile der zuvor erwähnten Veranstaltungen.

 

Mit dem letzten Satz bin ich dann auch schon im für diese Geselligkeiten üblichen Sprachmodus. Grundsatzdebatten werden meist geführt, weil  irgendwelche Teilnehmer den Antrag darauf stellen, dies wahrscheinlich weil sie kein gemütliches Zuhause haben und unbedingt die Sitzung verlängern wollen. Vielleicht wollen sie auch zu Hause Heizkosten sparen.

 

Im Übrigen versprechen diese Events, sofern sie nicht zu lange dauern, oft einen hohen Unterhaltungswert. Man muss nur genau hinhören, besonders auf die Beiträge der männlichen Teilnehmer, die sich ja oft gerne selber reden hören und meinen, nur durch mindestens einen Wortbeitrag ihre Daseinsberechtigung auf diesen Veranstaltungen behaupten zu können. Jene Redner haben durchaus eine Botschaft, die lautet meistens ganz einfach: ICH! Böse Zungen nennen das „Revier auspinkeln“.

 

Ein typisches Beispiel ist: „Ich möchte mich voll und ganz den Ausführungen meines Vorredners anschließen und besonders den letzten Satz seiner Darstellung noch einmal hervorheben.“ Rhetorisch ist das klasse, man muss sich nicht mehr um einen eigenen Standpunkt bemühen, den hat besagter Vorredner ja bereits kundgetan und hat trotzdem selbst etwas gesagt.

 

Gut ist auch immer das sogenannte Name-Dropping: „Wie schon der Politologe Peter Yxantipolouses (1) sagte…“, keiner weiß, wer das ist, aber das traut sich niemand zuzugeben, denn dann outet man sich ja als unwissend, was gar nicht geht. Selbiges funktioniert auch mit tatsächlichen, real existierenden Geistesgrößen. In dem Fall sollte man sie aber kennen und wissen, was wann in welchen Kontext gesagt wurde, sonst steht man bei Nachfragen ziemlich dämlich da. Blöde dagegen klingt: „Es ist schon alles gesagt worden, aber ich möchte die Ausführungen meines Vorredners gerne wiederholen…“ Ja, wenn schon alles gesagt worden ist, dann halt doch den Mund.

 

Ich frage mich ja immer, woher nehmen diesen Menschen, meist sind es Männer, in der letzten Zeit aber auch zunehmend Frauen, das müssen wir (Frauen) selbstkritisch zugeben, diesen geradezu unheimlichen Drang zur Selbstdarstellung? Ist das so eine Art missionarischer Narzissmus oder ein Kampf um die Stelle des Leithammels?

 

  1. Nachschlagen sinnlos, den Herrn gibt es nicht, er ist frei erfunden.

© Sabine Bomeier

 

 

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