sabine bomeier
sabine bomeier

Butterkuchen und Baklava

Impressionen aus der Lindenhofstraße in Bremen-Gröpelingen

 

Der schwere und dunkle 7er-BMW rollt im Schritttempo über die verkehrsberuhigenden Pflasterhügel. Am Steuer ein dunkelhäutiger Mann mit einer Sonnenbrillemit Spiegelgläsern. Vor dem Lebensmittelgeschäft, in dem auch Wasserpfeifen und goldene Essbestecke feilgeboten werden, hält er an. Er schlägt die Wagentür mit glitzernd beringter Hand zu und setzt sich zu dem Dicken im Unterhemd an den Tisch. Es ist einer der letzten schönen Spätsommertage. Da lohnt es sich, einen Tisch vor den Laden zu stellen. Nun sitzen sie hier, trinken aus schlanken Gläsern starken süßen Tee, naschen Baklava dazu, diese köstliche orientalische Süßspeise.

 

Nur ein paar Schritte weiter richten füllige Frauen in langen bunten Röcken ihre Kopftücher und greifen mit der anderen Hand in die  prachtvollen Weintrauben. Dazwischen wuseln Kinder jeden Alters herum. Ab und an werden sie mit halber Strenge zur Ordnung gerufen. Die letzten Einkäufe für das Abendessen müssen getätigt werden. Der Gemüsehändler preist gestikulierend und wortreich seine Ware an. Äpfel, Melonen, Auberginen und vieles mehr hat er vor dem Schaufenster aufgeschichtet. Die Frauen treffen mit sicherem Blick ihre Wahl und treten mit schweren Tüten beladen in Gruppen den Heimweg an.

 

Gegenüber tragen blonde Teenies stolz die tätowierten Oberarme zur Schau. Kichernd stoßen sie sich an, stöckeln auf High Heels weiter und versuchen die Aufmerksamkeit der Jungen  in den Muscleshirts zu erregen. Manchmal gelingt es.

 

Am Denkmal, das einen Arbeiter auf den Weg zur Schicht darstellt , sitzt einer, der wohl kein Zuhause mehr hat. Aber eine Flasche Schnaps hat er sich mitgebracht. Zu Füßen der Statue ist eine Inschrift angebracht: ”Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.” An den großen Kampf um den Erhalt der AG Weser wollte Waldemar Otto damit erinnern. Aber das ist schon lange her und der, der jetzt hier sitzt, hat keine Kraft mehr zu kämpfen.

 

Eine Frau betreibt hier schon seit fast zehn Jahren einen Klamottenladen. Sie muss kämpfen, um genug in die Kasse zu kriegen. Aber sie mag „das Bunte” und ”...außerdem bin ich von hier, das passt dann schon”, sagt sie, drückt die Zigarette aus und fährt sich mit der Hand durch die dunklen Locken.

 

Andere Läden haben keinen Besitzer mehr. Papier verklebt die Scheiben, bis einer kommt und doch wieder etwas wagt, wie zum Beispiel der Gebrauchtwarenhändler. Billige Möbel, aber gut erhalten, Geschirr und sonst noch allerlei führt er in seinem Sortiment. Das geht immer. Der Laden ist voll. An vielen Möbeln klebt ein Zettel mit der Aufschrift: „Verkauft”.

 

Aus der offenen Tür zum  Deutsch-Türkischen-Freundschaftsverein dringen orientalisch anmutende Klänge. Drinnen sitzen Männer und erörtern die Lage. Vielleicht nur die Lage daheim aber wahrscheinlich retten sie gerade die Welt. So ist das nun mal unter Männern.

 

Auch vor der Tür der Änderungsschneiderei steht ein Tisch, auch darum sitzen Männer und trinken Tee. Sie haben die Schuhe von den Füßen gestreift und die Ärmel der Hemden hochgekrempelt. Einer trägt einen hell braunen Kaftan und ein buntes Käppi auf dem Kopf. Vielleicht kommt er gerade aus dem nur wenige Meter entfernt gelegenen islamischen Gemeindehaus. Ein anderer hält ein Handy ans Ohr, reicht es dann an seinen Nachbarn weiter. Der spricht kurz, lacht und gibt es zurück.

 

Ein junger Mann mit mehreren Büchern unter dem Arm gesellt sich zu ihnen. Er kommt aus der Bibliothek. Fast futuristisch mutet dieser Bau am Ende der Straße an. Sonst lädt hier kaum ein Haus zum Gucken ein. Große Architektur findet woanders statt. Nur dieses Gebäude mit dem Springbrunnen auf dem Platz davor macht eine Ausnahme. Kinder hüpfen quietschend im Wasser herum und bespritzen nicht nur sich.

 

Auch vor der Bibliothek stehen Tische und Stühle. Sie gehören zum Cafe in dem Haus. Eine Gruppe Rentnerinnen in Sommerblusen und Sandalen hat sich an den kleinen Tischen niedergelassen. Die Sonnenschirme sind noch aufgespannt. Mit Kaffee und Butterkuchen klingt ihr Tag aus.

 

© Sabine Bomeier

 

 

 

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