sabine bomeier
sabine bomeier

Aus dem Tagebuch eines Politikers - Satire

Mir wurden Tagebuchaufzeichnungen eines hochrangigen Angeordneten  zugespielt, die Einblick geben in die Arbeit von Politikern, insbesondere vor den Wahlen. Dieses „vor den Wahlen“ fängt Monate vor der eigentlichen Wahl statt.

 

Aus dem Tagebuch eines Politikers

 

Meine Mitarbeiter haben mir gesagt, es gäbe da ein Problem, dem ich mich zu widmen hätte. Wenn meine Mitarbeiter sagen, wir haben ein Problem, dann haben wir eines. Sie schauen sich stets und ständig in meinem Umfeld um, und nicht nur dort, ob es etwas zu tun gibt und dann tun sie. Und manchmal muss eben auch ich tun.

 

Und nun haben sie also mal wieder ein Problem gefunden, um das ich mich kümmern muss, oder sie sich. Angeblich ist es so schlimm, dass meine Wiederwahl auf dem Spiel steht. Die Bürger würden mich nicht mehr wollen. Ich wäre nicht engagiert genug, würde keinen klaren Aussagen treffen. Aber das stimmt nicht und sie müssen mich auch wiederwählen, ich bin doch ihr Abgeordneter - und ich kann auch gar nichts anderes. Wo soll ich denn hin, wenn ich nicht mehr ins Parlament darf?

 

Wir haben zu wenig Wohnungen, zu viele arme Rentner, die Fahrten mit dem Bus sind zu teuer, in den Krankenhäusern fühlt sich keiner mehr sicher und die Lehrer klagen über zu viele Schüler, die noch nicht einmal gut vorbereitet in den Unterricht kommen.

 

Ob das alles so stimmt, oder meine Mitarbeiter da mal wieder ein wenig übertreiben, weiß ich nicht. Ich kriege das ja nicht so mit. Um die Kinder kümmert sich meine Frau, meine Mutter lebt im Seniorenheim, und krank bin ich selten, aber ich fahre ja auch regelmäßig in die Kur. Sollten die anderen auch ruhig mal machen.

 

Meine Mitarbeiter haben gesagt, dass ich wohl doch mehr Profil zeigen, deutlich machen müsse, wofür ich stehe und wofür ich kämpfe. Da hätten die Bürger schon recht. Wer sind diese Bürger eigentlich?  Ich müsse nachdrücklich zeigen, dass ich an der Seite der Bürger meiner Stadt stehe, einer von ihnen bin, sie verstehe, ihre Sorgen auch meine sind. Gefällt mir, schön hat meine Mitarbeiterin das gesagt. Sie findet immer so zu Herzen gehende Worte. Meine männlichen Mitarbeiter sind immer so sachlich und mir scheint, auch scharf auf meinen Platz im Parlament. Da muss ich aufpassen.

 

Sie, meine Mitarbeiter, haben sich überlegt, dass wir uns, oder besser: ich mich für den sozialen Frieden in unserer Stadt stark machen soll.

So soll es sein. Künftig stehe ich dafür ein, dass alle ein gutes Auskommen haben und auch im Alter abgesichert sein sollen, ständig überall mit unseren städtischen Bussen hinfahren können, bei Krankheit gut versorgt werden und die Kinder sollen in der Schule viel und ordentlich lernen.

 

Wir müssen dazu eigentlich nur alle zusammen halten und so etwas wie eine solidarische Einheit bilden. Wenn wir alle eine gesetzlich verankerte solidarische Einheit bilden und ich betone: eine gesetzlich verankerte Solidarische Einheit, werden all die Probleme sicher von ganz alleine verschwinden, denn einer steht für den anderen ein. Wenn nicht, wird das eben gerichtlich geahndet. Wir werden also eine Sozialreform fordern, zuvor ein Kompetenzteam bilden, in dem die Reform mit allen nötigen Flexibilisierungsmöglichkeiten ausgearbeitet wird. Es wird sozial gerecht und ökonomisch sinnvoll sein. Das sind wir den Wählern schuldig, denn wir müssen auch an die nächste Generation denken. Und damit sind wir die einzige Partei, die so umfassend sozial denkt - und ich, ja ich bin der Motor dieser Idee.

 

Wenn wir es so angehen, wie ich es anstrebe und meinen Wählern nahelegen (meine Mitarbeiter sollen dazu doch bitte schnellstens einen entsprechenden Antrag vorbereiten, den kann ich dann noch nächste Woche im Parlament einbringen), dann werden wir die Lage bald wieder im Griff haben. Wir unterliegen da auch gewissen Sachzwängen, denen auch die Opposition sich nicht entziehen kann.

 

PS: Wer sich angesprochen fühlt, ist selber schuld.

 

© Sabine Bomeier

 

 

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