sabine bomeier
sabine bomeier

Die Grundrente

18. Mai 2020

Zum neuen Jahr soll die Grundrente kommen. Viele von uns haben sich fest darauf verlassen und sich schon gefreut, endlich auch einmal halbwegs genügend Geld im Portemonnaie zu haben. Und nun müssen wir doch wieder bangen. Bangen darum, ob die Versprechungen eingehalten werden oder nicht. Wir, das sind vor allem Frauen mit geringem Einkommen. Es sind die Menschen, die an den Fenstern beklatscht werden, weil sie sich während der Corona-Krise so rührend um die Bewohner in Seniorenheimen gekümmert haben und es immer noch tun. Andere schleppen Kisten in den Supermärkten. Bespiele gibt es genug. Ja, ein bisschen klatschen tun wir alle gerne mal, aber Arbeit bezahlen? Oder für eine auskömmliche Rente sorgen? Na, da wird es schon schwieriger. Schämt euch!

 

Corona und ich

7. Mai 2020

Ich bin eine von denen, die ihr Geld mit Schreiben verdienen, oder das zumindest versuchen. Damit ich nicht auf jeden Luxus verzichten muss, habe ich auch noch einen Brotjob. Und der macht sogar Spaß. Aber das sei hier nur nebenbei bemerkt.

Jetzt geht es um den Alltag von uns Schreiberlingen. Zahlen, Fakten und Prognosen will ich hier gar nicht nennen, das haben vor mir andere schon viel besser gemacht. Wir von der schreibenden Zunft, insbesondere diejenigen, die sich dem kreativen Schreiben widmen, verbringen unseren Arbeitstag ja eh schon in relativer Einsamkeit, nämlich am heimischen Schreibtisch. Viel los war da nie. Lesungen sind die Highlights, die uns in das Licht der Öffentlichkeit bringen. Leider viel zu wenig, jedenfalls wenn wir es bezahlt haben wollen. Für nur `n Bier hinterher könnte ich fast jeden Abend irgendwo lesen, aber ich bin Weintrinkerin.

Aber jetzt unter der Fuchtel von Corona wurde es richtig schlimm. Jetzt will man uns nicht einmal mehr für gar kein Honorar. Und da fehlt noch mehr: keine Treffen mehr mit Kolleginnen im Café, keine Kurse an der Volkshochschule, kein Shoppen mit der Freundin, essen gehen fällt auch aus. Und ich ess´ doch so gerne. Selber kochen ist in meinem Fall kein vollwertiger Ersatz.

Klar, wir können spazieren gehen. Ich kenne inzwischen auch die allerkleinste Seitenstraße in meinem Viertel. Einkaufen war in den letzten Wochen der gesellschaftliche Glanzpunkt. Ich fange schon an, mich zu fragen, was ich anziehen soll, wenn ich in den Supermarkt gehe. Mein Outfit hat sich verändert. Ich sah und sehe jetzt aus wie eine Frau kurz vor ihrem ersten Banküberfall. Nur würde ich die Bank gar nicht finden, denn meine Brillengläser beschlagen immer wenn ich mir die Maske überstülpe. Die Frisur oder das, was davon noch da war, war dann auch hin. Es erscheint jedoch ein Licht am Ende des Tunnels. Nicht nur, dass einige Geschäfte wieder geöffnet haben, betretbar natürlich nur mit Maske, hinter der ich irgendwann ersticke, nein, inzwischen dürfen sogar wieder die Friseure an uns heran, alle gut gesichert hinter Masken. Ich hab´ das gleich in Anspruch genommen.

Statt Make-Up muss es nun also die stylische Maske sein. Ich habe derweil mehrere, die erste noch von einer guten Bekannten selbst genäht, aber die Ansprüche steigen. Frau will ja modisch auf dem Laufenden sein.

Zudem lese ich viel, das verbuche ich mal auf der positiven Seite. Wann hat Frau sonst schon mal die Zeit dazu, die richtig dicken Wälzer durchzulesen. Obwohl ich das so lieber nicht schreiben sollte, schließlich fabriziere ich diese ja selbst.

Auch Beziehungen leiden, aber irgendwann stand meine beste Freundin mit Blumen in der Hand unter meinem Balkon. Natürlich musste sie hereinkommen und wir haben wieder über alles mögliche gequatscht, als gäbe es draußen kein Corona, und wenn wir es wieder dürfen, dann nehme ich sie endlich auch wieder ganz fest in die Arme, das fehlt jetzt auch.

Manchmal habe nicht nur ich jetzt Zeit und Muße über mich, meine Ansprüche an das Leben und meine Ziele nachzudenken. Was ist mir wirklich wichtig? Was brauche ich? Und wie definiere ich eigentlich den Begriff „Erfolg“. Auch in dieser Hinsicht wird Corona viel verändern. Etwas bescheidener lebt es sich eigentlich auch ganz gut.

Es war und ist aber gut, dass man uns so rigoros unter Verschluss gehalten hat, denn es gibt Bilder aus anderen Ländern, die ich hier nicht sehen möchte. Wir jammern auf hohem Niveau. Und während ich dieses schreibe, munkelt man bereits über weitere Lockerungen auch in der Gastronomie. Ich schau schon mal in die Eiskarte.

 

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